Ernährung bei rheumatoider Arthritis: Was Fette mit Entzündungen zu tun haben

Aktualisiert: Mai 6

Rheumatoide Arthritis ist eine wohlbekannte chronisch-entzündliche Erkrankung. Weniger bekannt ist jedoch, dass wir mit unserer Ernährung Einfluss auf das Entzündungsgeschehen nehmen können. In folgendem Artikel erfährst du, mit welchen gezielten Essentscheidungen du deine rheumatischen Symptome positiv beeinflussen kannst.


Was ist Rheumatoide Arthritis? Rheumatoide Arthritis zählt zu den chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankungen. Die Ursache ist weitgehend unbekannt. Bei rheumatoider Arthritis kommt es zu einer dauerhaften Entzündungsreaktion, bei der entzündungsfördernde Faktoren vermehrt freigesetzt werden. Knorpelstrukturen werden so geschädigt und typische Symptome wie schmerzhafte, geschwollene Gelenke oder Morgensteifigkeit treten auf.


Nutzen einer Ernährungstherapie

Eine Ernährungstherapie kann dabei unterstützen Symptome, wie Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zu mildern und sogar bis zu einem gewissen Grad die benötigten Medikamente zu reduzieren. Eine Dosisveränderung der Medikamente führe bitte nie selbst durch, sondern wende dich an deinen Arzt / deine Ärztin.

Im Internet findet man viele Diäten, die bei rheumatoider Arthritis helfen sollen. Vorweg möchte ich betonen, dass jegliche einseitigen Ernährungsformen Risiken für eine Mangelernährung mit sich bringen und deshalb von solchen Abstand genommen werden soll.

In diesem Artikel möchte ich mich auf den Einfluss von Fetten auf das Entzündungsgeschehen beschränken, da dies der Hauptansatz ist, der in Studien hinreichend beschrieben wird.


Einfluss auf das Entzündungsgeschehen Entzündungsfördernde und entzündungshemmende Faktoren werden unter anderem aus Fettsäuren aufgebaut, die wir mit unserer Nahrung zuführen. Damit du dir das alles bildlich besser vorstellen kannst, habe ich dir eine Grafik zusammengestellt. Ich habe hier alle Faktoren genau benannt, für all diejenigen die es detaillierter wissen wollen.



Omega-6 Fettsäuren

Aus Arachidonsäure werden entzündungsfördernde Faktoren gebildet. Sie gehört zu den mehrfach ungesättigten Omega-6-Fettsäuren und wir nehmen sie direkt durch tierische Fette zu uns - z.B. Schmalz, Butter, Fleisch, Eier, Milch und Milchprodukte


Omega-3 Fettsäuren

In qualitativ wertvoll angelegten Studien konnte eine Verbesserung von Symptomen der rheumatoiden Arthritis durch Eicosapentaensäure (kurz EPA) und Docosahexaensäure (kurz DHA) nachgewiesen werden. Sie gehören zu den mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren. Einerseits hemmen sie die Umwandlung von Arachidonsäure in entzündungsfördernde Faktoren. Andererseits sind sie selbst Ausgangssubstanz für entzündungshemmende Faktoren. EPA und DHA nehmen wir direkt über fetten Fisch zu uns. Lachs, Hering oder Makrele eignen sich hierfür gut. Um festzustellen, ob du mit EPA und DHA ausreichend versorgt bist, empfehle ich dir, deinen Status mittels Blutanalyse bestimmen zu lassen. Dies gilt besonders, falls du Fisch nicht gerne auf dem Tisch hast und wenn du dich vegetarisch oder vegan ernährst. Anhand deines Versorgungsstatus kannst du nun sinnvoll supplementieren. Neben Nahrungsergänzungsmittel aus Fischöl eignet sich auch die vegane Variante aus Algenöl.

EPA und DHA werden auch aus pflanzlichen Nahrungsmitteln gebildet, die reichlich Alpha-Linolensäure enthalten. Das sind vor allem Rapsöl, Leinsamen, Hanfsamen, Walnüsse und daraus hergestellte Öle.


Verhältnis von Omega-6 : Omega-3 Fettsäuren

Die Umwandlung im Körper von Alpha-Linolensäure zu EPA und DHA ist nur gering.

Aus folgendem Grund, zahlt es sich dennoch aus, möglichst viele alpha-linolensäurereiche Lebensmittel zu essen:

Die Reihe der Omega-3 Fettsäuren steht in ständiger Konkurrenz mit den Omega-6 Fettsäuren, da sie die gleichen Enzyme benötigen, um in die nächste Stufe umgewandelt werden zu können. Deshalb ist das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 Fettsäuren ausschlaggebend: je mehr Lebensmittel wir von der Omega-3 Fettsäuren-Reihe zu uns nehmen, desto mehr entzündungshemmende Faktoren werden gebildet. Das optimale Verhältnis der Omega 6 zu Omega 3 – Zufuhr sollte bei 5:1 liegen. Aufgrund der eher fleischlastigen Ernährungsgewohnheiten liegt das Verhältnis in unserer westlichen Gesellschaft deutlich höher, zugunsten der Omega-6 Fettsäuren. Je nach Literaturquelle liegt die tatsächliche Aufnahme bei einem Verhältnis Omega-6 zu Omega-3 Fettsäuren bei 10 - 15:1.


Eine positive Wirkung einer Ernährungstherapie, mit einer erhöhten Zufuhr von Omega-3 Fettsäuren und einer gleichzeitig geringen Zufuhr an Arachidonsäure, kann Studien zufolge frühestens nach 3 Monaten erwartet werden.


Was bedeutet das für deinen Alltag?

  • Pflanzenbasierte Ernährung (max. 2x/Woche Fleisch) - statt Fleisch vermehrt Hülsenfrüchte einbauen für eine ausreichende Eiweißversorgung

  • 2x pro Woche Fisch (Lachs, Hering, Makrele), Versorgungsstatus von EPA und DHA mittels Blutanalyse feststellen lassen – ggf. Fischöl-/Algenölsupplemente einnehmen

  • Rapsöl zum Kochen verwenden, da es ein günstiges Verhältnis von Omega-6 : Omega 3 Fettsäuren aufweist

  • Walnussöl oder Leinöl für Salate oder ins Müsli

  • Walnüsse als Topping für Müsli, in pikanten Speisen (z.B. Eintöpfe, Curry) oder als Snack

  • Leinsamen, Hanfsamen im Müsli oder im Salat


Vertiefende ernährungstherapeutische Umsetzungsmaßnahmen sowie weitere Tipps und Tricks für deinen Alltag werden gerne in einer persönlichen Beratung mit mir besprochen! Melde dich einfach hier.


Um dir eine Idee zu geben, was du anhand dieser Tipps kochen könntest, habe ich hier ein herrliches Rezept für dich. Viel Spaß beim Nachkochen!


Literaturquellen schicke ich dir gerne, schreib mir einfach: lb.diaetologie@gmail.com